Langsamkeit – mein Motto für das Jahr 2023

von | Jan 3, 2023 | Persönliches | 4 Kommentare

Vieles ist in dieser Welt darauf ausgelegt, schnell zu sein. Schnell zum Ziel kommen, schnell besser werden, schnell aufsteigen und so weiter. Ich finde das ganz schön stressig. Aber muss wirklich alles immer schnell gehen? Oder könnte man es nicht auch mal langsam versuchen?

Das möchte ich in diesem Jahr ausprobieren. Zeitdruck mag ich nämlich gar nicht, und ich bin der Meinung, dass manche Dinge einfach ihre Zeit brauchen, um richtig gut zu werden. Wie ein Apfel, der am Baum heranreift. Ein Käse. Oder ein Teig, der in Ruhe aufgeht. Klar kann man diese Prozesse künstlich beschleunigen. Aber ob das Ergebnis dadurch besser wird?

Außerdem glaube ich, dass mir die Langsamkeit guttun wird. Für richtig gute Arbeit möchte ich mir Zeit nehmen, und auch für Pausen, Erholung und Genuss. Ich möchte meinen Fokus mehr auf den Prozess und weniger auf das Ergebnis legen und hoffe, dass meine innere Unruhe sich dabei etwas ausbalancieren kann.

Wie ich darauf gekommen bin, was ich mit Langsamkeit verbinde, und meine ersten Ideen, wie ich sie in meinem Alltag als Sprecherin & Kommunikationspädagogin ausleben kann, das erfährst Du in diesem Artikel.

So kam ich zu dem Motto LANGSAMKEIT

Es war der 22. Dezember 2022, der erste Tag meiner Winterpause. Ich hatte keine Termine und konnte nach vielen anstrengenden Tagen endlich ausschlafen. Also begann mein Tag wirklich ganz langsam, ganz ohne Eile, und das fand ich wunderschön. Ich hatte das Gefühl, dass ich diese Langsamkeit dringend brauchte.

Dann kam mir ein Bild in den Sinn: eine Schnecke.

Ich gebe zu, dass ich schon ein bisschen darauf gewartet hatte. Nicht unbedingt auf die Schnecke, aber darauf, dass irgendwas kommt. Ich nahm nämlich gerade an Linda Pulligs „kreativer Reise durch die Raunächte“ teil und hatte morgens im Bett ihren Impuls zur Wintersonnenwende angehört. Linda sagte, dass diese Zeit sich gut dafür eigne, ein Gefühl oder ein Bild für das kommende Jahr zu entdecken.

Diese Schnecke gefiel mir:

  • Langsam, aber zielgerichtet.
  • Weich und verwundbar, aber mit einem sicheren Haus ausgestattet, in das sie sich jederzeit zurückziehen kann.
  • Ein fremdes, kurioses Wesen und ganz bestimmt eine Lebenskünstlerin!

Außerdem war da so viel Unruhe in mir – die hat mich 2022 stets begleitet. Auf eine Art wünschte ich mir nichts sehnlicher, als zur Ruhe zu kommen und, ja, LANGSAMER zu werden. Ohne Angst, etwas nicht zu schaffen oder nicht anzukommen.

Also beschloss ich, dass mich die Schnecke und das Thema Langsamkeit im Jahr 2023 begleiten dürfen.

Ein Relief aus grauem Stein. Es zeigt ein Wappen mit einem Vogel Greif und einer Schnecke.

Dieses Relief hängt an einer kleinen Kirche in meinem Heimat-Stadtteil. Es zeigt das Wappen des Ritters Christoph Ludwig Raschen, und sein Wappentier ist – eine Schnecke!

.

Das verbinde ich mit dem Wort LANGSAMKEIT

Langsamkeit heißt für mich, dass ich mir Zeit nehme. Zeit, um anzukommen. Zeit für mich und Zeit für andere. Zeit für die Dinge, die ich mache. Mich in aller Ruhe einer Tätigkeit widmen und dabei alles um mich herum vergessen. Das liebe ich!

Deshalb ist Langsamkeit für mich auch mit Fokus, Flow und Konzentration verbunden. Das heißt nicht unbedingt, dass ich alles total langsam mache, wenn ich im Flow bin. Aber ich mache auch nicht exra schnell. Die Zeit verliert einfach an Bedeutung. Es fühlt sich an, als wäre sie gar nicht da. Diesen Zustand tiefer Konzentration, ohne Eile und ohne Ablenkungen nenne ich auch „Deep Work“.

Langsamkeit heißt, dass ich nicht alles sofort fertig kriegen muss. Das widerstrebt mir ein bisschen. Ich habe so einen Drang, Dinge in einem Zug abzuschließen. Einen Blogartikel zum Beispiel: runterschreiben und sofort veröffentlichen. Aber ich merke auch: wenn ich etwas liegenlasse, arbeitet es im Hinterkopf weiter, und auf einmal kommen ganz neue Ideen. Der kreative Autopilot ist am Werk!

Langsamkeit heißt, genauer hinschauen. Nicht einfach blind drauflosrennen (auch wenn das ab und zu Spaß macht), sondern bewusst anfangen. Hinschauen und hinspüren. So merke ich, was ich wirklich will. Und was ich nur anfange, weil irgendjemand anders es für richtig hält.

Langsamkeit heißt auch Zuhören. Wirklich zuhören, mit meiner ganzen Ruhe, Empathie und Konzentration bei meinen Gesprächspartner*innen sein.

Langsamkeit heißt, dass ich nicht alles auf einmal angehen muss. Wann ist der richtige Zeitpunkt? Wann habe ich Lust und Energie, um mich einer neuen Aufgabe zu widmen? Wann ist die Gelegenheit günstig? Erlaube ich mir, langsam zu sein, kann ich meinen eigenen Rhythmus finden. Dancing to my own drums!

Eigentlich ist es wie beim Spazieren gehen. Wenn ich zu Fuß gehe, kann ich spontan sein: stehen bleiben, um einem Eichhörnchen zu begegnen. Abbiegen, um einen unbekannten Weg zu erkunden. Mich auf eine Bank oder eine Schaukel setzen. Ich gehe ganz intuitiv meinen Impulsen nach. Bin ich dagegen mit dem Rad unterwegs, ist es immer schon zu spät. Wenn ich merke, dass ich irgendwo gerne abgebogen wäre, bin ich längst an der Stelle vorbei.

Langsamkeit heißt, mich der höher-schneller-weiter-Logik zu entziehen. Der schnellste Weg ist nicht immer der beste. Und nichts ärgert mehr, als wenn gute Ideen abgewürgt werden, „weil das zu lange dauert“.

Langsamkeit heißt, dass ich mir erlaube, mich zurückzuziehen, wenn mir danach ist. In mein Schneckenhaus, jawohl! Da ist es nämlich schön!

Langsamkeit heißt, darauf vertrauen, dass ich das Ziel erreiche. Ich denke da an Beppo Straßenkehrer aus Momo, der folgendes sagt:

„Siehst du, Momo“, sagte er dann zum Beispiel, „es ist so: Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man.“ Er blickte eine Weile schweigend vor sich hin, dann fuhr er fort:
„Und dann fängt man an, sich zu beeilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst, und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen.“
Er dachte einige Zeit nach. Dann sprach er weiter:
„Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten.“ Wieder hielt er inne und überlegte, ehe er hinzufügte:
„Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.“

Und abermals nach einer langen Pause fuhr er fort:
„Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste.“
Er nickte vor sich hin und sagte abschließend:
„Das ist wichtig.“

Michael Ende, Momo

.

NEWSLETTER

Übungen, Tipps und Denkanstöße rund um meine Lieblingsthemen:

- selbstbewusste Kommunikation -
- introvertierte Stärken -
- Stimm- und Sprechtraining -

Was passiert mit meinen Daten?

.

So möchte ich LANGSAMKEIT 2023 in meinen Alltag integrieren

Für den Anfang habe ich mir 10 Ideen notiert, wie die Langsamkeit in meine ganz alltägliche Arbeit Einzug halten kann. Das ist ein erster Entwurf. Ich nehme mir vor, immer wieder an diese Stelle zurückzukommen, neue Ideen hinzuzufügen und zu reflektieren, was sich wirklich verändert.

Vielleicht ist das ja auch schon ein langsamer Ansatz: eine Idee mitnehmen, sie reifen und sich entwickeln lassen und mich immer wieder aufs Neue mit ihr beschäftigen.

Das sind meine ersten 10 Ideen zur LANGSAMKEIT im Alltag:

  1. Ich nehme mir insgesamt weniger vor als im letzten Jahr. Weniger Fortbildungen, weniger Impulse von außen. Bewusstes Auswählen und auch weniger eigene Projekte.
  2. Wenn ich plane, lasse ich viel Luft, damit ich spontan reagieren und Pausen einlegen kann.
  3. Wenn ich merke, dass ich mich an einer Sache „festbeiße“, höre ich auf, bzw. mache eine Pause. Warnsignale, die ich schon kenne, sind: angestrengtes Abarbeiten, eilig, ohne in die Tiefe zu gehen, steigende Anspannung im Körper, Bedürfnisse ignorieren.
  4. Ich versuche möglichst oft, in meinen Deep-Work-Modus zu kommen. Für gute Ideen und Qualität nehme ich mir Zeit. Und Ruhe.
  5. Ich arbeite noch mehr und noch bewusster mit meinem kreativen Autopiloten: Ich denke ein Projekt an und lasse es ruhen. Die Ideen werden dann schon kommen, darauf vertraue ich.
  6. Ich genieße die Langsamkeit, wo ich kann, und gelobe feierlich, dass ich alle Frühaufsteher-Mythen links liegen lasse. Ich liebe es nämlich, morgens langsam in den Tag reinzukommen, und das möchte ich zelebrieren, wann immer ich kann.
  7. Ich besorge mir einen analogen Wecker, damit ich das Handy morgens länger beiseitelassen kann.
  8. Sowohl in meinem Content (zum Beispiel hier auf dem Blog) als auch in meiner Planung möchte ich mich mehr auf den Prozess und weniger auf das Ergebnis fokussieren.
  9. Ich setze mir keine Zahlenziele. Natürlich kann ich die Zahlen nicht ganz ignorieren, ich möchte ja von meiner Arbeit leben, aber sie sollen nicht im Vordergrund stehen.
  10. Ich möchte Pausen und Auszeiten noch mehr von der Frage entkoppeln, wie viel ich schon geschafft habe. Erholt zu sein, soll keine Belohnung, sondern eine Voraussetzung für meine Arbeit sein.
Vier gestapelte Bücher: Alle_Zeit von Teresa Bücker, Rest is Resistance von Trishia Hersey, Der Vagus-Nerv als innerer Anker und "Die Entdeckung der Langsamkeit" von Sten Nadolny. Oben drauf sitzen drei hölzerne Schnecken.

Die passende Lektüre zum Thema habe ich auch schon!

Jetzt bin ich gespannt auf Deine Gedanken: Kannst Du Dir vorstellen, Langsamkeit in Deinen Alltag zu integrieren? Was glaubst Du, würde das bewirken? Oder hast Du Dir etwas anderes für 2023 vorgenommen?

Wenn Du magst, lass mir doch einen Kommentar da. Ich freue mich immer sehr über Feedback 🙂

Ich selbst bin jedenfalls auch schon gespannt, was die LANGSAMKEIT dieses Jahr in meinem Alltag verändern wird. Davon werde ich Dir davon berichten!

Alles Liebe
Deine Paula

4 Kommentare

  1. Stefanie Wittiber-Schmidt

    Liebe Paula, das ist ein sehr schöner Artikel und ein sehr schönes Motto ! Vor längerer Zeit sprach ich mit jemandem, dessen Krafttier eine Schnecke ist. Darüber war sie anfangs verblüfft, hatte mit einem anderen Tier gerechnet, dann aber festgestellt, dass eine Schnecke viele gute Eigenschaften besitzt. Neben den von dir beschriebenen, kann sie sich z. B., sicher geschützt durch ihre Schleimschicht, über raue Böden bewegen. Im übertragenen Sinne in der heutigen Zeit keine unnütze Qualität.
    Ich wünsche dir ein verlangsamtes und erfülltes 2023.
    Liebe Grüße Stefanie

    Antworten
    • Paula

      Liebe Stefanie,

      vielen Dank für Dein Feedback! Das ist ja spannend mit der Schnecke als Krafttier. So eine Schleimschicht ist wirklich praktisch. So kann sie auch ganz weich bleiben und tut sich trotzdem nicht weh. Ich werde noch weiter darüber nachdenken, jeden Tag kommen mir im Moment neue Impulse tum Thema Langsamkeit 😊
      Auch dir ein wunderschönes neues Jahr! Steht es bei dir auch unter einem Motto?

      Liebe Grüße
      Paula

      Antworten
  2. Linda

    So wunderbare Impulse zum Thema Entschleunigung. Besonders Punkt 1 deiner Liste ist auch ein wichtiges Thema für mich dieses Jahr. Es scheint jetzt einfach an der Zeit zu sein langsamer zu machen und sich auf sich zu besinnen. Das höre ich jetzt an vielen Ecken. Es freut mich, dass meine kreative Rauhnachtsreise dir eine Inspiration war. 😊

    Antworten
    • Paula

      Danke Dir, Linda! Ja, wie Du siehst, haben Deine Raunachtsimpulse einiges angestoßen 😊 Spannend, dass die Langsamkeit im Augenblick so „in der Luft liegt“. Vielleicht ist es jetzt einfach Zeit dafür. Wir können uns ja zwischendurch mal updaten, wie es mit dem weniger machen so klappt 🙂🐌

      Antworten

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert