2025 bin ich mit viel Energie und Motivation gestartet. Doch die Projekte wurden immer mehr oder sie forderten mich immer mehr. Irgendwann merkte ich: Ich bin nur noch erschöpft. Von da an habe ich andere Prioritäten gesetzt und einiges liegenlassen.
Wenn ich jetzt zurückblicke, sage ich trotzdem: 2025 war für mich ein gutes Jahr. Welche neuen, wilden Impulse und Entwicklungen mich begleitet haben, das erzähle ich dir in meinem Jahresrückblick 2025.
Ich schreibe ihn, wie immer, im Rahmen der „Jahresrückblog“-Challenge von Judith Peters, zusammen mit vielen anderen Blogger*innen. Das ist inzwischen ein liebgewonnenes Ritual, das mich ins Schreiben und Reflektieren bringt.
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5 wichtige Themen im Jahr 2025
1. Oj-oj-oj-oj! – Zwei Fortbildungsreisen zu Jurij Vasiljev
Für 2025 hatte ich mir 2 Methoden ausgesucht, die ich gerne besser kennenlernen wollte: die von Kristin Linklater und die von Jurij Vasiljev. Mit Vasiljev ging es los, er hat im Februar einen Workshop in Kißlegg, im Allgäu gegeben. Für mich war das der erste längere Workshop mit Jurij, und ich war begeistert!

Die Methode ist körperlich intensiv. Wir waren die ganze Zeit auf unseren Füßen und in Bewegung – Muskelkater inbegriffen. Außerdem haben wir viele Wahrnehmungs- und Kontaktübungen gemacht, das mochte ich gerne. Es ging darum, immer ganz wach zu sein und im Moment etwas Neues entstehen zu lassen. Nichts abspulen, nicht mechanisch werden, sondern immer, auch schon in den kleinsten Bewegungen, schöpferisch handeln.
Ein charakteristisches Merkmal von Jurijs Arbeit sind die Lautkombinationen, die viele Übungen begleiten: oj-oj-oj, aj-aj-aj oder o-pa. Sie fördern Kieferöffnung, Resonanz und Artikulation und können mit beliebigem Subtext gesprochen werden. Meiner Stimme hat diese Arbeit richtig gutgetan.
Hier schreibe ich über meine 6 wichtigsten Erkenntnisse aus dem Vasiljev-Training.
Die Reise nach Kißlegg habe ich außerdem genutzt, um eine Freundin zu treffen, die ich bisher nur online kannte: Mim von still und sensibel. Das hat sich ganz vertraut angefühlt – genauso wie im Videocall, außer dass wir jetzt zusammen durch die Stadt laufen konnten 🙂 Eine schöne Erfahrung, zu merken, dass da eine ganz selbstverständliche Verbindung gewachsen ist.

Nach dem Workshop im Februar habe ich beschlossen: Wenn ich kann, gehe ich 2025 nochmal zu Jurij. Linklater kann warten! Es gab aber erstmal lange keine Termine. Jurij wohnt in St. Petersburg und die Workshops hängen davon ab, ob er ein Visum bekommt.
Ende August hat es dann aber doch geklappt. Diesmal ging es nach Trstenice, Tschechien, auf einen alten Hof mit Schafen und einer zur Bühne umgebauten Scheune.

Diesmal war ich stimmlich ein bisschen angeschlagen. Ich hatte gerade eine schwere Erkältung überstanden und konnte die ersten Tage nur mit Vorsicht und vielen Pausen üben. Trotzdem habe ich viel mitgenommen und fand es super, noch einen zweiten Workshop mitzumachen. Hier gab es neben den Übungen mehr Theorie, mehr Gespräche, sodass ich die Prinzipien dahinter besser erfassen konnte.
Das alles musste zu Hause natürlich umgesetzt werden. Auch mit den Spieler*innen bei Cactus Junges Theater habe ich einiges davon ausprobiert, besonders das Balltraining – Sprechübungen mit Tennisbällen. Das hatte überraschend weitreichende Folgen…

Ich habe zu der Zeit die Produktion „Pazifinista“ begleitet, die an einer Collage über Gewalt gearbeitet hat. Die Übungen mit den Bällen haben der Regisseurin gefallen. Sie hat kurzerhand beschlossen, Tennisbälle als Material für das Stück zu nutzen! So kam es, dass wir bei „Pazifinista“ ganz viel mit Tennisbällen gemacht haben 🙂

2. Mein Homestudio entwickelt sich weiter
Mein Homestudio habe ich 2025 vor allem für Hörbuchaufnahmen genutzt. Ich habe drei Bücher für die Westdeutsche Blindenhörbücherei eingesprochen. Ab und zu habe ich auch andere Sprecherinnenjobs übernommen – das darf 2026 noch mehr werden 🙂
Das hat sich 2025 in meinem Homestudio verändert:
- Ein höhenverstellbarer Schreibtisch ist eingezogen. Jetzt kann ich fließend zwischen Sitzen und Stehen hin- und herwechseln.
- Der Monitor steht nicht mehr auf meinen Yogablöcken, sondern auf einem Monitorständer 😀
- Außerdem habe jetzt ein paar Monitorlautsprecher. Die erleichtern mir das Schneiden, weil ich nicht die ganze Zeit Kopfhörer tragen muss.
- Ich habe neue Akustik-Absorber mit besseren Absorptionswerten für tiefe Frequenzen angeschafft. Aus den alten habe ich mir eine Rückwand gebaut. Das schluckt noch mehr Schallreflexionen und fühlt sich auch besser an.
- Die neuen Absorber haben auch neue Stoffbezüge bekommen.
- Ein dicker, schwerer Wollteppich isoliert von unten.

Außerdem habe ich 2025, ganz improvisiert, Sprachaufnahmen im Fundus von Cactus Junges Theater gemacht, und zwar mit dem Ensemble von „Pazifinista“.
Als klar war, dass wir etwas aufnehmen wollen, hatten wir nur noch zwei Wochen bis zur Premiere. Also bin ich klatschend und „Hallo!“ rufend durch das Gebäude gegangen und habe die Akustik getestet.
Im Fundus war sie am besten – kein Wunder, der ist ja auch voller Kleidung. Zwischen den Kleiderständern hatten wir eine richtige kleine Aufnahmekabine. Und ich habe gemerkt: ich mag es total, in der Sprachregie zu sein, Rückmeldungen zu geben und gemeinsam den richtigen Ton zu finden!

3. Sprechtraining in neuen Räumen, Sprechkunstabend und neue Fotos „in action“
Das Einzel-Sprechtraining war meine Konstante im Jahr 2025. Mit manchen Schüler*innen habe ich das ganze Jahr über gearbeitet. Da ist eine Vertrautheit entstanden, die ich wirklich schön finde 🙂 Andere kamen für eine begrenzte Zeit oder nur punktuell, das kommt immer drauf an, und alles davon ist in Ordnung.
Thematisch ging es zum Beispiel um…
- Lesungen vor Publikum
- Eheversprechen
- Trauerreden
- Gerichtsverhandlungen
- Willkommensansprachen
- Hörbuchsprechen
Klingt nach einer ziemlich wilden Mischung, oder? Zumindest die Situationen, um die es geht, sind sehr unterschiedlich. Die Dinge, an denen wir arbeiten, sind es gar nicht so sehr. Eine entspannte, tragfähige Stimme hilft zum Beispiel in all diesen Situationen.
Oft geht es auch um den Kontakt zum Publikum. Wie stelle ich eine Verbindung her? Wie schaffe ich es, dass Menschen mir zuhören wollen und sich auf das, was ich sage, einlassen? Auch das brauche ich in all diesen Situationen – sogar im Studio, wenn ich meine Hörer*innen gar nicht vor mir habe.
Andere Dinge, wie Sprechtempo, Körperhaltung oder die innere Haltung beim Sprechen, unterscheiden sich je nach Situation. Wir machen sie uns bewusst und probieren aus, um das jeweils passende zu finden.
Und dann gibt es noch die Themen, die tiefer gehen. Warum fühle ich mich in dieser einen Situation so unsicher, in anderen aber nicht? Wie gewinne ich Sicherheit? Wie stehe ich selbst zu meinem Thema? Was will ich bewirken?
Für die Einzeltrainings habe ich schon 2024 meinen Ort gefunden, das Institut der Wegebegleiter:innen. 2025 ist es umgezogen, und zwar in die Hammer Str. 13 in Münster. Das ist ziemlich zentral, ca. 10 Gehminuten vom Banhof entfernt. Es gibt 3 schöne Räume in verschiedenen Größen.


Mit den Schüler*innen, die Lust hatten, habe ich im Mai wieder einen Sprechkunstabend veranstaltet. Jede Person konnte 10 min selbst ausgewählte Texte vortragen. So entstand ein vielfältiges Programm, zu dem wir unsere Freund*innen und eingeladen haben.
2025 war das endlich, wie der Name schon sagt, ein Abend (und kein Nachmittag). Und noch etwas war neu: diesmal habe ich am Vormittag meinen Workshop „Gedichte sprechen“ gegeben. Die Teilnehmenden konnten dann am Abend direkt mit einem Gedicht auf die Bühne. Das war zwar ein langer, intensiver Tag (für mich), aber auch richtig schön.

Außerdem ist meine Fotografin, Ingrid Hagenhenrich, vorbeigekommen und hat uns bei unserem Warm-Up für den Sprechkunstabend fotografiert. Jetzt gibt es endlich Fotos von meiner Arbeit, „in Aktion“, mit einer Gruppe!



4. Die „Lesung des Wahnsinns“
Neben einigen kleineren Leseauftritten gab es 2025 auch noch ein größeres Projekt, die Lesung „Gehen und Ausgehen. Ein Remix nach Thomas Bernhard und Barbi Markovic“. Carsten Bender und Pitt Hartmann haben aus „Gehen“ von Thomas Bernhard gelesen, Stella Bensmann und ich aus „Ausgehen“ von Barbi Markovic. Christian Fries hat dazu Stücke von Bach gespielt und Mechthild Janssen hat Regie und Dramaturgie gemacht.

Barbi Markovic hat sich mit ihrem Text „Ausgehen“ bewusst auf Thomas Bernhard bezogen. Manche Sätze sind genau gleich gebaut, nur die Namen, Orte und einige Schlüsselwörter unterscheiden sich. So wird aus Wien Belgrad, aus der Zeit nach dem 2. Weltkrieg die nach dem Kosovokrieg und aus den beiden Spaziergängern Oehler und Karrer werden Bojana und Milica, die zusammen feiern gehen.
In beiden Texten erlebt eine Figur einen Kontrollverlust. Karrer in einem Hosengeschäft, er landet hinterher in der Psychiatrie, und Bojana bei einem Plastikman-Konzert. Sie begeht „Social Suicide“ und bleibt anschließend vor dem Fernseher. Irgendwie drängt da etwas an die Oberfläche. Etwas vielleicht, was nicht gesagt werden kann. Die WN (Tageszeitung in Münster) hat diesen Prozess in ihrer Kritik so beschrieben:
„Schnell und immer schneller werden die Sprecher. Sie reden nacheinander, miteinander und zum Schluss durcheinander. Was sich ergibt, ist eine Sinfonie des Verrücktwerdens, die im aberwitzigen Verharren auf ein und demselben Gedanken erklingt. Dieser Gedanke schlägt in den Menschen ein wie ein Blitz. Dann übernimmt er dich, fesselt sich an dich. Er löscht alle anderen Gedanken aus.“ (Anna Lena Wortmann, WN, 19. Mai 2025)

Für mich war das eine große Freude, mit Hartmann & Konsorten dieses Projekt zu machen. Ich habe immerzu von den Kolleg*innen gelernt und habe es genossen, beim Lesen ein bisschen freier zu sein – ein bisschen mehr ins Spielen gehen zu können 🙂
5. Workshops mit Ruhe und neue Workshops
Nach dem Workshopjahr 2024 habe ich meine „Workshopreihe Stimme“ im Dreiraum noch einmal durchgeführt. Das sind Workshops, bei denen ich keine Träger oder Auftraggeber habe, ich mache alles selbst. Dafür habe ich auch die volle Gestaltungsfreiheit 😉
2025 habe ich mich mit diesen Workshops noch einmal sicherer und ruhiger gefühlt. Im Spätsommer und Herbst gab es zwei besonders schöne Workshops. Einer davon wird 2026 auf Wunsch der Teilnehmenden fortgesetzt 🙂

Neu dazugekommen ist der Workshop „Gedichte sprechen“, der 2025 im Kulturquartier stattfand – in Verbindung mit dem Sprechkunstabend. Eigentlich wollte ich ihn mehrmals anbieten, die weiteren Termine wurden aber nicht so gut gebucht. Da muss ich noch den richtigen Ort finden und den richtigen Rhythmus. 2026 probiere ich es mal im Dreiraum.
Außerdem habe ich ein paar externe Workshops gegeben:
- Ich habe mit Frauen in einer sehr männlich geprägten Institution gearbeitet
- und einen zweiteiligen Sprechworkshop in der Freilichtbühne Melle gegeben.
Die Workshops in Melle waren für mich das erste Mal, dass ich mit Kindern gearbeitet habe – ungewohnt, trubelig, aber auch schön! Die Kinder in dieser Gruppe waren äußerst begeisterungsfähig – es gab ganz viel „au ja!“ und auch viele eigene Ideen, was man wie machen könnte. Ein und dieselbe Sache lange (oder langsam) machen war dagegen nicht so leicht.

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, auch ganz aktiv Akquise für meine Workshops zu machen und zum Beispiel in Unternehmen zu gehen. Das habe ich 2025 nicht geschafft. Aber etwas habe ich im Dezember dann doch noch in Gang gebracht:
Ab 2026 bin ich Dozentin im Kreativ-Haus! Darüber freue ich mich, weil ich den Ort so gerne mag. Ich war schon oft als Teilnehmerin dort und bin auch schonmal als Dozentin eingesprungen. Meine Angebote dort findest du weiter unten, beim Punkt „So kannst du 2026 mit mir zusammenarbeiten“.

Noch mehr schöne Momente im Jahr 2025





















Meine Jahresreflexion für 2025 – 6 Fragen
1. Worauf bin ich 2025 stolz?
Also. Eigentlich bin ich oft stolz. Und andererseits auch wieder nicht.
Im Alltag erfüllen mich ganz viele kleine Sachen mit Stolz, zum Beispiel wenn ich ein Geschenk schön eingepackt oder es geschafft habe, ganz alleine den neuen Teppich ins Studio zu bugsieren – unter die Möbel, die da stehen.

Trotzdem habe ich diese Frage gesehen und gedacht: Ich bin überhaupt nicht stolz. Das kommt, weil Stolz im Moment nicht mein dominierendes Gefühl ist. Da stehen andere Gefühle im Vordergrund, wenn ich an das Jahr 2025 denke. Erschöpfung, Nachdenklichkeit und auch Zuversicht.
Nachdem ich die Frage ein bisschen habe wirken lassen, sind mir aber doch ein paar Dinge eingefallen 🙂 Es sind kleine Dinge, und das ist ok. Kleinvieh macht auch stolz. Äh, oder wie ging das?
- 2025 habe ich in alle meine Hörbücher reingehört, weil ich auf der Suche nach Arbeitsproben für meine Sprecherinnen-Seite war. Dabei habe ich sowohl Fehler als auch Fortschritte bemerkt. Und ja, bei den aktuelleren Büchern war ich stolz, wie sich mein Sprechen, im Vergleich zum Anfang, entwickelt hat.
- Beim Verhandeln um mein Honorar habe ich hier und da gemerkt: Es fällt mir leichter, über Geld zu sprechen. Ich habe mehr Orientierung als früher, wenn es darum geht, wie viel ich verlangen kann und will. Die Riesenhemmschwelle, die es da mal gab, ist viel kleiner geworden.
- Dann bin ich stolz auf das gute Feedback, das ich in diesem Jahr zu meinen Trainings und Lesungen bekommen habe.
- Ich bin extrem stolz, wenn ich Schüler*innen von mir auf der Bühne sehe und merke, wie sie das Gelernte verinnerlicht haben!
- Und schließlich bin ich stolz auf meinen Mann, der in diesem Jahr konsequent seinen künstlerischen Weg gegangen ist, mit Schreiben und Musik und Experimenten, Veröffentlichungen, Auftritten und sogar einer eigenen Lesebühne. Das ist schon richtig cool!
2. Was war eine der besten Entscheidungen, die ich 2025 getroffen habe?
Im Sommer gab es diesen Punkt, an dem ich gemerkt habe: Es ist gerade viel zu viel. Ich war gestresst, erschöpft, zerrissen zwischen zu vielen Projekten.
Damals wollte ich unbedingt vor den Sommerferien noch meinen Führerschein machen. Ich hatte manchmal 4 Fahrstunden pro Woche. Dazu Proben, Trainings und alles andere.
Irgendwann habe ich entschieden: Stop. Ich mache jetzt nur noch das, was unmittelbar anliegt. Zum Beispiel das Einzeltraining für den nächsten Tag vorbereiten oder die Probenwoche überstehen. Alles andere muss warten.
Dadurch sind auch Projekte wie mein Weiterkommen als Sprecherin, meine Akquise und das Schreiben für den Blog auf der Strecke geblieben. Aber das war ok. Es war eine Entscheidung für mich, für Regeneration und Ruhemomente, die dann wieder möglich wurden. Und das war richtig so.
Ich glaube, 2026 schaue ich noch mehr, was wirklich wichtig ist – und was nicht.

3. Was habe ich 2025 über mich selbst gelernt?
Ich war 2025 wirklich viel müde. Selbst dann, wenn äußerlich eigentlich nicht superviel zu tun war. Auch nach dem Urlaub war ich schnell wieder auf dem Stresslevel von vorher. Und manchmal war ich gleichzeitig aufgekratzt und erschöpft…
Dadurch habe ich mich in verschiedenen Bereichen zurückgezogen: Weniger bloggen. Weniger Social Media. Weniger Fotos machen (die im Hinterkopf schon für Social Media sind). Mehr Pausen und mehr Aktivitäten, die wirklich nur für mich und für mein allernächstes Umfeld sind.
Das hat mir gut getan. Es hat was von: Außenkamera abschalten, mich nicht mehr beobachtet fühlen, mehr ich selber sein.
Am allermeisten „ich selber“ bin ich, wenn ich alleine bin, und auch das ist wichtig. Bin ja auch introvertiert. Da hätte ich das wissen können 😉 Aber was neu ist, ist dieser Gedanke: Dass ich dann wirklich bei mir bin, meine eigenen Impulse spüren und ihnen folgen kann. Und: die Momente, wo ich ganz offen zu jemandem sage, „ich brauche Zeit für mich“, sind selten. Die fühlen sich holprig und ungewohnt an. Das ist etwas, was ich 2026 üben will 🙂
Außerdem habe ich 2025 angefangen, mich mit Neurodivergenz zu beschäftigen. Dabei halte ich es für möglich, dass mich das auch betrifft. Ich habe noch kein Wort dafür, aber ich merke, dass damit mehr Akzeptanz für mich selber einhergeht. Eine Haltung, die weniger bewertet, Dinge in einem neuen Licht betrachtet – und das tut gut.

4. Was habe ich 2025 zum ersten Mal gemacht?
2025 habe ich meinen allerersten Förderantrag geschrieben.
Eine Freundin und ich planen zusammen ein Poesieprojekt. Wir wollen mit Frauen arbeiten, die deutsch und/oder ukrainisch sprechen und Gedichte mögen. Über Gedichte kommen wir in Kontakt und in eine gemeinsame künstlerische Praxis. Am Ende entwickeln wir einen deutsch-ukrainischen Lyrikabend – wenn unsere Förderanträge durchgehen.
Wir haben Mittel bei der Stadt und beim Land beantragt. Dafür haben wir im Herbst intensiv geplant, recherchiert und – das war vielleicht der ungewohnteste Teil – gerechnet. Denn im Grunde mussten wir das ganze Projekt in unserer Vorstellung durchgehen und für jede Anschaffung und jede Leistung einer Person einen Geldbetrag festlegen.
Jetzt heißt es warten und hoffen. Drückst du uns die Daumen?
5. Welche Herausforderungen gab es im Jahr 2025?
Autofahren!
Ich mache gerade meinen Führerschein und habe mich am Anfang wirklich nicht leichtgetan. Am schwierigsten finde ich das Multitasking und die vielen Dinge, die ich gleichzeitig wahrnehmen soll.
Am Anfang lief das bei mir ungefähr so ab:
Fahrlehrer: „Halte bitte Abstand zu den Autos, die da parken.“
Ich: halte Abstand und werde schneller
Fahrlehrer: „Aber bitte die Geschwindigkeitsbegrenzung einhalten.“
Ich: werde langsamer und fahre zu weit in der Mitte.
Fahrlehrer: „Aber bitte die Spur halten.“
Ich: fahre zurück in die Spur und werde viel zu langsam oder mache irgendwas anderes falsch.
Undsoweiter. Klar, vieles davon läuft irgendwann automatisch ab. Aber die Herausforderung, Dinge gleichzeitig im Blick zu behalten, die bleibt. Davor habe ich Respekt.
Meine Akquise-Hürde
Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, 2025 Akquise zu machen – als Sprecherin und auch als Trainerin. Aber ich habs nicht getan. Einerseits war da zu viel anderes und andererseits war da eine riesengroße Hürde. Warum?
1. Akquise ist neu für mich. Eine vollkommen ungewohnte Form, mich um Aufträge zu bemühen. Bisher habe ich meine Angebote auf die Website gestellt, Flyer gedruckt und verteilt, Blogartikel, Podcasts und Social Media Posts veröffentlicht. Ich habe sogar das eine oder andere Netzwerk-Event besucht. Aber Akquise, also auf potentielle Auftraggeber*innen wie Studios oder Unternehmen oder Institutionen zugehen und mich anbieten… das ist irgendwie next level Selbstbewusstsein und innere Klarheit.
2. Stichwort Klarheit: Was genau biete ich denn dann an? Wenn es zum Beispiel um Sprechtrainings für Unternehmen geht, muss ich mir ja erstmal überlegen: Was brauchen die? Und was davon kann und will ich anbieten? Diese Klarheit habe ich aber noch nicht, und irgendwie hatte ich 2025 auch nicht die Ruhe, sie mir zu erarbeiten.
3. Material: Texte, die mein Angebot beschreiben oder als Sprecherin: Hörproben. Damit habe ich gleich im Januar angefangen und Demo-Aufnahmen gemacht. Mit den Demo-Vorlagen aus dem Kurs „Dein profitables Sprecherbusiness“ macht das auch richtig Spaß. Aber es blieb bei der einen Aufnahme, die genau ein Genre abdeckt: Erklärfilme. Da gehe ich 2026 nochmal dran.
4. Innere Hürden: Ich glaube, Akquise ist auch deswegen so abschreckend für mich, weil ich da mit allen meinen Unsicherheiten konfrontiert werde. Nehmen die mich ernst? Kann ich dann auch wirklich liefern? Nerve ich nicht nur, wenn ich mich da melde?
5. Unrealistische Zielsetzungen: Ich neige dazu, mir viel vorzunehmen. Beim Thema Akquise habe ich auch nicht genau definiert, was eigentlich mein Ziel ist. Aber meine Vorstellung war so ungefähr: Alle Weiterbildungsanbieter in Münster anschreiben, dazu noch eine Menge Unternehmen und jeden Monat 10 Studios oder ähnliches, um Sprecherinnenjobs zu bekommen. Jaaaa. Für eine Akquise-Anfängerin mit vielen anderen Projekten sind das ziemlich hohe Erwartungen.
Als ich mich dann beim Kreativ-Haus in Münster gemeldet habe, war das der erste Schritt in dieser Richtung. Im Dezember war es so weit 🙂 Und ich wurde so freundlich aufgenommen, dass die nächsten Schritte hoffentlich vielleicht ein bisschen leichter gehen.
6. Wofür bin ich 2025 dankbar?
Dankbar bin ich für…
- meinen Mann und unsere Beziehung. Die Nähe, die gegenseitige Unterstützung und dass ich mich bei ihm nicht verstellen muss. Und den Humor, auch in schwierigen Momenten.
- unsere Wohnung und dass wir hier so viel Platz haben, dass sogar ein Studio und ein Hängesitz reinpassen 🙂
- das Vertrauen meiner Kund*innen und Schüler*innen. Die Wertschätzung, die sie mir entgegenbringen, und die vielen freudigen Momente bei der Arbeit.
- meine Kolleg*innen und den ernsthaften, wertschätzenden Austausch mit ihnen.
- die Empfehlungen, die ich ab und zu aus meinem Netzwerk bekomme – also, dass Menschen mich, z. B. als Trainerin, weiterempfehlen.
- alle Rückmeldungen, die ich zu meiner künstlerischen Arbeit bekomme, auch kritische! Ich habe einen großen Drang nach Entwicklung und finde fast nichts schlimmer, als gar keine Rückmeldung zu bekommen.
- alle Genussmomente im Alltag – den leckeren Kaffee, selbstgekochtes Essen, Sonnenschein und Regen und schöne Himmel und Grün und Tieren begegnen.
- meinen Körper und die Momente, wenn ich mich ganz frei bewegen kann. Überhaupt, wenn ich mit meinem Körper arbeiten kann, egal ob beim Sprechen, beim Aikido, beim Tanzen oder woanders.
- Leichtigkeit. Lachen. Alleine und mit anderen.
- Ruhe.
Mein 2025 in Zahlen
- 57 1:1 Sprechtrainings (28 für die Bühne, 23 fürs Business, 6 fürs Studio, wobei die Unterscheidung nicht immer ganz eindeutig ist)
- 9 eigene Workshops und 2 mit einem Gastdozenten, die ich organisiert habe
- 10 Bühnenauftritte
- 3 Hörbücher
- 8 Blogartikel
- 1 Interview, das meine Kollegin Ulrike Fricke mit mir geführt hat
Mein Ausblick auf 2026
3 Dinge, die ich 2026 anders mache
1. Meine Stimmroutine noch mehr etablieren
Ich wünsche mir Routinen. An allererster Stelle (wieder) eine Körper-, Bewegungs- und Stimmroutine.
Anfang 2025 lief das eine Zeit lang wirklich gut. Ich war so sicher, dass ich dabei bleibe, dass ich sogar einen Blogartikel über meine Stimmroutine geschrieben habe. Aber dann kam ich raus und es dauerte lange, bis ich wieder angefangen habe, zu experimentieren.
In der 2. Jahreshälfte war meine Routine dann freier – kein vorgeschriebener Ablauf mehr. Keine feste Zeit. Und leider auch keine ganz feste Regelmäßigkeit. Dennoch, wenn es mir gelingt, mich darauf einzulassen, tut es mir unendlich gut. Das will ich 2026 noch mehr in meinem Alltag etablieren.
2. Mehr Raum für Entscheidungen
Ich spüre, dass ich in meiner beruflichen Tätigkeit Entscheidungen treffen muss. Sie betreffen meine Arbeitsschwerpunkte, meine Ziele, meinen weiteren Weg und sie stehen schon seit einer Weile an. Aber das Tagesgeschäft hat mich so fest in seinen Klauen gehabt, dass mir schlichtweg die Ruhe und der weite Blick dafür fehlten.
Diesen Raum zum Denken und Entscheiden will ich mir aufbauen. Dazu gehört auch das folgende:
3. Ich will wieder schreiben…
Das Schreiben für diesen Blog hat im März 2025 aufgehört. Ich hatte einfach keine Kapazitäten mehr. Und auch wenn es richtig war, mich in dem Moment von dem ewigen Schreib-Anspruch zu befreien, will ich es auf Dauer zurück, glaube ich.
Ich mag das Schreiben. Ich mag, dass es mir Klarheit bringt, dass mein Denken in Gang kommt. Und ja, ich mag es auch, meine Gedankenprozesse zu teilen.
Gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass ich heute anders schreibe als vor einem Jahr. Ich weiß nicht genau, inwiefern, aber ich habe so ein Gefühl, dass das, was bisher auf dem Blog ist, irgendwie nicht mehr passt. Und das hält mich auch davon ab, auf dem Blog zu schreiben.
Und dann sind da KIs und Google, die meine Inhalte nutzen. Will ich das? Will ich mich davon abhalten lassen? Kann ich woanders so schreiben, wie ich auf meinem Blog schreiben will? Ist das nicht trotzdem mein Ort, wo ich mir nichts vorschreiben lasse? Oder bin ich in diesem Internet weniger frei als ich denke?
Und was ist mit den zarten Erfolgen, der Workshop-Teilnehmerin, die am Tag zuvor mit verspanntem Kiefer aufwachte, „Kiefer entspannen“ googelte und mich dadurch fand?
Merkst du es auch? Ich habe ein inneres Stimmengewirr rund ums Schreiben.
So kannst du 2026 mit mir zusammenarbeiten
Hier habe ich noch mehr über meine Angebote in 2026 geschrieben.
1:1 Sprechtraining
2026 biete ich weiterhin mein 1:1 Sprechtraining an. Momentan gibt es noch die Aufteilung in drei Richtungen, je nachdem, wofür du es brauchst:
Sprechtraining für die Bühne, wenn du Lesungen, Poetry Slams, Schauspiel, Sprechperformance machst, also ein künstlerisches Sprechen und Texte sprechen vor Publikum.
Sprechtraining fürs Business, es um das Sprechen in Vorträgen, Präsentationen, Moderationen und Gesprächen geht.
Sprechtraining fürs Studio, wenn du richtig gute Sprachaufnahmen machen willst – als Sprecher*in, Podcaster*in oder mit eigenen Meditationen, Übungen etc.
Ich überlege, ob ich die Aufteilung aufhebe und das Training anders beschreibe. Es gibt so viele Überschneidungen und Anwendungsfälle, die irgendwo dazwischen liegen. Und Vorträge halten, Gespräche führen, das gibt es nicht nur im „Business“ (dieser Begriff gefällt mir auch nicht so richtig).
Was gleich bleibt: Mein Training, bei dem es ums Sprechen geht. Sprechen in seinen verschiedenen Facetten: Körper-, Atem- und Stimmtraining, aber auch Kontakt und Kommunikation.
Workshops, also Sprechtraining in der Gruppe
Meine Workshopreihe Stimme im Dreiraum gibt es weiter. Das sind die Workshops mit den „sprechenden Namen“:
- „KNOW YOUR VOICE | Deine Stimme kennen- & lieben lernen“
- „GROW YOUR VOICE | Mit kraftvoller Stimme sprechen“
- „SHOW YOUR VOICE | Dich zeigen & in Verbindung kommen“
- „USE YOUR VOICE | Widersprechen & deine Stimme erheben“
Um die Stimme geht es auch in der neuen Voice-Werkstatt im Kreativ-Haus. Das ist so ein Raum zum Kennenlernen, Ausprobieren, aber auch zum Dranbleiben und Auffrischen für Menschen, die mit ihrer Stimme arbeiten. Mit 1,5 Stunden/10 Euro ist es das kürzeste und niedrigschwelligste Angebot, würde ich sagen.
Dann gibt es ein paar externe Workshops, um dich in deiner Kommunikation und deinem Selbstbewusstsein zu stärken:
- „Dein Stil, deine Stärken – Kommunikationsworkshop von & für Introvertierte (Kreativ-Haus)
- „Selbstsicherheitstraining für Frauen“ (VHS Münster)
- „Fit für den Vortrag“ (VHS Münster)
Und die künstlerischen Workshops. Die liegen mir besonders am Herzen 🙂
- „Gedichte sprechen“ (Dreiraum Münster)
- „Bühne, Wut und Mut – ein Bühnen-Sprechworkshop für Frauen mit wütenden Texten“ (Kreativ-Haus)
Künstlerische Workshops heißt aber nicht, dass die nur für Künstler*innen sind. Sondern: Wir arbeiten da mit künstlerischen Methoden und mit literarischen Texten, die wir uns erarbeiten und vortragen. Dabei lernt man auch einen künstlerischen Zugang, aber nicht nur. Das Sprechen vor Publikum wird geschult, es gibt Austausch und Reflexion und, was ich ganz wichtig finde: es macht Spaß!
Ich spreche!
Und dann könntest du mich als Sprecherin buchen, für dein Hörbuch, deinen Film, deinen Audioguide… falls du da Bedarf hast.
Oder wir machen künstlerisches Projekt zusammen! Ich liebe es, mit literarischen Texten zu arbeiten, sie sprechend zu neuem, hörbar-spürbarem Leben zu erwecken. Das kann Richtung Lesung, Rezitation, Schauspiel oder Bewegung gehen oder irgendwo dazwischen sein.
Wenn du eine Idee hast, erzähl mir davon!

7 Ziele für 2026
1. 2026 will ich endlich wirklich sichtbar werden als Sprecherin. Demos aufnehmen, Bewerbungen rausschicken und den Austausch mit meinen Kolleg*innen suchen.
2. Auch als Trainerin will ich so sichtbar werden, dass ich regelmäßig gebucht werde. Ich möchte 1-2 Tage pro Woche am Stück unterrichten, mit 3-4 Schüler*innen pro Trainingstag.
3. Ich möchte neue künstlerische Projekte machen, mich weiterentwickeln und sprechend auf der Bühne stehen!
4. Ich möchte mich weiterbilden. Ganz besonders im Bereich Stimme, Stimmtraining und Stimmpädagogik. Ich denke an einen größeren Kurs (ca. 1 Woche), der vielleicht auch Teil einer größeren Ausbildung sein kann.
5. Ich will meine Verspannungen lösen und das Thema Körperhaltung und Bewegung angehen.
6. Ich nehme mir vor, 2026 keine neue Kleidung zu kaufen. Ausgenommen sind Schuhe, Unterwäsche und spezialle Sachen, wie z. B. ein Aikido-Anzug.
7. Ich will weg von Meta, Google und Microsoft. In kleinen Schritten suche ich Alternativen und Wege, um den Einfluss dieser Firmen zu reduzieren.
Und ich habe ein Motto für das neue Jahr: Noch mehr ich selber sein.






Danke für deinen Einblick in dein turbulentes und herausforderndes Jahr 2025. Viel Glück für 2026!
Danke, das wünsche ich dir auch, Yvonne!
Beim Lesen deines Rückblicks und anschauen spürt man deine Lebensfreude und bekommt irgendwie gleich gute Laune! Toll, vielen Dank 🙂
Danke, liebe Franziska. So ein schönes Feedback 🙂
Liebe Paula, was für ein buntes Jahr. Ich hab deinen Rückblick sehr gerne gelesen! Und ich glaube, ich kenne niemanden, für den 2025 ein easy Jahr war. Überall Erschöpfung, Depression, Panikattacken, schwere Krisen und so weiter.
Ich hoffe sehr, dass die Energie von 2026 es uns wieder etwas leichter macht. Vielleicht – das denke ich mir, wenn ich das alles lese und höre – ist es aber auch an der Zeit, dass wir ein bisschen forschen, was diese kollektive Erschöpfung auslöst.
Ich wünsch dir auf jeden Fall ein produktives und sichtbares 2026!
Bis bald!
Alles Liebe, Generose
Liebe Generose,
danke dir! Ja, vielleicht war das ein kollektives Gefühl. Zumindest zum Teil. Es ist ja auch viel im Moment, was schwer zu verarbeiten ist, in der Welt! Das spielt bei mir schon auch mit rein, ich pendele immer zwischen Rückzug und wissen-wollen.
Auch dir ein großartiges neues Jahr!
Liebe Grüße und bis bald
Paula
Oh, alles für mich sehr spannend, was du machst, liebe Paula, auch danke für die Fortbildungsinspiration mit Jurij Wasiljev. Ich schau auf jeden Fall mal die Tage was du nächstes Jahr so planst. Und ja, bloggen und Insta, ich habs mir auch vorgenommen, nicht mehr so viel zu machen.
Liebe Andrea,
danke dir für die Rückmeldung! Ja, die Kurse von Jurij sind toll, über den Newsletter der Vasiljev-Akademie werden sie immer angekündigt. Ich glaube, bloggen will ich eigentlich wieder mehr. Aber Social Media… davon will ich weg, ich glaube ganz. Diese Firmen und ihr Einfluss und das, was sie tun, das ist zu suspekt.
Ganz liebe Grüße und ein gesundes und frohes neues Jahr!
Paula