Eine Stimmroutine ist toll!
- Sie bringt dich einmal am Tag mit deiner Stimme in Verbindung.
- Sie hilft dir, an deinen sprecherischen Themen dranzubleiben und dich kontinuierlich zu entwickeln.
- Wenn du sie morgens einbaust, macht sie deine Stimme bereit für den Tag. Das merkst du am Klang und auch daran, dass dir das Sprechen leichter fällt.
Nur, sich eine Stimmroutine aufzubauen, ist nicht so easy. Erstmal musst du wissen, was du überhaupt für deine Stimme machen kannst. Dann musst du den richtigen Zeitpunkt finden, wo du sie in deine übrigen Abläufe einbauen kannst. Und das Schwierigste: Du musst dranbleiben. Es immer wieder machen, bis es zur Gewohnheit wird.
Dabei soll dieser Artikel helfen. Ich habe nämlich auch oft Probleme, meine Routinen wirklich durchzuhalten. Aber 2025 stehen die Chancen gut, dass es klappt!
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Mein Verhältnis zu Routinen ist kompliziert
Einerseits gefällt mir der Gedanke, etwas, was mir gut tut, immer wieder zu tun. Das geht so weit, dass ich schon beim ersten Mal oft denke: „Das mache ich jetzt jeden Tag!“ Klappt, wie du dir vorstellen kannst, nicht immer…
Andererseits missfällt mir der Gedanke, etwas immer wieder auf die gleiche Weise zu tun. Für viele ist das aber gerade der Kern von Routinen. Wenn ich es immer gleich mache, muss ich nicht mehr nachdenken, es tut sich schon fast von alleine, so die Idee dahinter.
Nun, aus der Perspektive der Sprechtrainerin kann ich sagen: es sollte nicht so weit gehen, dass wir unsere Übungen nur noch mechanisch abspulen. Dann bringen sie nämlich viel weniger als sie könnten!
Lebendige Routinen
Deshalb empfehle ich dir, bei deiner Stimmroutine einen Mittelweg zu finden:
- Einerseits soll sie sich fest in deinem Tagesablauf verankern, sodass du möglichst wenig darüber nachdenken musst, OB du heute übst.
- Andererseits solltest du mit bewusster Aufmerksamkeit üben. Nimm wahr, wie es sich anfühlt, was sich dabei verändert und wie deine Stimme darauf reagiert. Je nach Stimmung und Tagesform kannst du variieren, WIE du übst.
Vielleicht bist du heute müde und machst deine Übungen ganz sanft, weich und langsam. Vielleicht hast du Lust, etwas Neues auszuprobieren und wandelst eine Übung ab oder baust spontan eine neue ein. Oder vielleicht hast du nur auf eine Übung Lust und machst die dafür ganz ausführlich.
Diese Spielräume helfen mir persönlich sehr, dranzubleiben. Und das Hinspüren erfüllt auch eine Funktion im Stimmtraining: Du nimmst Kontakt mit deinen Empfindungen auf und lässt deine Stimme ausdrücken, was du empfindest. Das ist ein wichtiger Baustein für eine freie, authentische Stimme.
Die Balance zwischen festem Rahmen und Spielraum in der Gestaltung nenne ich „lebendige Routine“. Dabei kann der „sweet spot“ für alle Übenden woanders liegen.
Du darfst deine Routine ändern!
Außerdem finde ich es wichtig, dass sich Routinen entwickeln dürfen.
- Du hast neue Übungen kennengelernt, die du weiter vertiefen willst? Rein damit!
- Du musst morgens früher aus dem Haus? Deine Routine darf kürzer werden!
- Du bereitest dich auf einen Auftritt vor? Dann kannst du in deiner Routine dafür üben.
Und das Wichtigste ist vielleicht: Wenn sich eine Routine nicht mehr stimmig anfühlt, darfst du sie über Bord werfen, ohne schlechtes Gewissen.
Ich sehe es jedenfalls nicht ein, mir deshalb einen Kopf zu machen oder mich zwangsweise an eine Routine zu klammern, auf die ich keine Lust mehr habe. Meine Stimmroutine soll mir spürbar gut tun, und zwar von Anfang an. Wenn nicht, verändere ich sie.
Die richtigen Übungen
Was willst du erreichen? – Wenn du dir eine Stimmroutine aufbauen willst, steht diese Frage am Anfang.
Willst du zum Beispiel…
- deine Stimme aufwärmen, damit du stimmlich gut durch deinen Tag kommst?
- deine Stimme langfristig kräftigen, damit du besser verstanden wirst?
- deine Aussprache verbessern oder lernen, bei Bedarf ohne Dialekt zu sprechen?
- Texte vorlesen üben, weil es für dich eine berufliche Bedeutung hat?
Von deiner Antwort hängt die Auswahl der Übungen ab. Wenn du schon Übungen kennst, kannst du dir direkt eine kleine Liste machen und alle Übungen markieren, die diese Kriterien erfüllen:
- Eignet sich die Übung für dein Ziel?
- Magst du sie?
Um deine Stimmroutine fest zu etablieren, macht es Sinn, erstmal die Übungen auszusuchen, die dir Spaß machen, und mit denen du ein Erfolgserlebnis verbindest. Das ist gut für die Motivation.
Wenn du bei der Auswahl der richtigen Übungen Unterstützung brauchst, kannst du dich gerne bei mir melden. Gerade am Anfang, wenn man noch nicht so viel Erfahrung mit der Stimmarbeit hat, hilft es sehr, gemeinsam auszuwählen und die Übungen von einem Profi erklärt zu bekommen.
Und wenn du erstmal ein bisschen neue Inspiration brauchst, dann schau dochmal hier vorbei:

Der richtige Zeitpunkt
Wann willst du deine Stimmübungen machen? Auch das hängt zum Teil vom Ziel ab. Wenn du sie als Warm-Up für deinen Tag verstehst, macht es Sinn, sie am Morgen zu machen – oder eben dann, wenn dein Tag beginnt.
Aber auch dein Alltag spielt eine Rolle. Wann bist du in der Regel entspannt? Wann hast du Energie und Lust, etwas für dich zu machen? Mir fällt so etwas grundsätzlich morgens leichter, aber das kann für dich anders aussehen. Vielleicht passt es zum Beispiel am Nachmittag besser, wenn du von der Arbeit kommst und die Spannung des Tages abfällt.
Und dann gibt es noch einen kleinen Trick beim Thema Routinen, das sogenannte „Habit Stacking“. Wir alle haben ja schon eine Menge feste Routinen, die uns durch den Tag begleiten. Zähneputzen zum Beispiel. Frühstücken oder, für manche, der Kaffee, den sie zu einer ganz bestimmten Zeit trinken. Für eine neue Routine ist es hilfreich, wenn man sie an eine schon bestehende anknüpft.
Ein paar Beispiele:
- 3 Minuten summen, während der Kaffee durchläuft
- immer nach dem Zähneputzen eine Runde Zungengymnastik machen oder Zungenbrecher sprechen (ist gut für die Artikulation)
- nach Feierabend nach Hause kommen, Kaffee machen und dann eine Runde üben
- morgens nach dem Aufstehen Teewasser aufsetzen und die Zeit, bis es kocht, nutzen, um den ganzen Körper auszuschütteln

So sieht meine Stimmroutine aus
Für mich ist die beste Zeit im Augenblick morgens, nach dem Aufstehen und Lüften. Dann gehe ich in mein Arbeitszimmer, mache Musik an und starte meinen Wecker – ich habe für jeden Abschnitt meiner Stimmroutine einen:
- 10 Minuten Ankommen im Körper. Dazu gebe ich mir überhaupt keine Vorgaben. Ich spüre in mich hinein, bewege mich ein bisschen und mache das, wonach mir gerade ist. Meistens geht es in dieser Phase darum, Verspannungen zu lösen und richtig wach zu werden.
- 10 Minuten gezielte Übungen. Das ist ein kleines Stimm-Warm-Up, das mich bei meinen aktuellen Themen und Baustellen unterstützt.
- 20 Minuten lautes Lesen. Ich lese, was ich gerade lesen will und freue mich, besonders in lesearmen Phasen, ein paar Seiten in meinem Buch der Wahl zu schaffen. Nebenbei trainiere ich den Sprechatem, die Aussprache und das Prima-Vista-Lesen.
- 5 Minuten Reflektion. Oft schreibe ich meine Eindrück in ein kleines Notizbuch. Manchmal spüre ich einfach nur kurz nach und komme wieder zur Ruhe. Eine Art Übergang in den Tag.

Hinterher frühstücke ich, und dann bin ich bereit für den Tag. Außer ich plane eine Aufnahme im Homestudio, dann ziehe ich das Frühstück auch schonmal vor und gehe dann mit frisch aufgewärmter Stimme in meine Kabine.
Minimalistische und maximalistische Routinen
Ich weiß, ich weiß, eine Routine, die 45 Minuten dauert, ist schon eher Maximalismus. So etwas stört mich an anderer Stelle manchmal – zum Beispiel, wenn jemand mal wieder eine Morgenroutine mit gefühlt 100 superwichtigen Elementen empfiehlt, die für mich einfach null realistisch sind.
Deshalb ist es mir wichtig, dass du meine Routine nicht einfach auf dich überträgst – schon gar nicht, wenn es sich beim Lesen nach „zu viel“ anfühlt. Denn es gibt kein Mindestmaß für eine Stimmroutine. Schon 1 oder 2 Minuten am Tag können etwas verändern. Eine minimalistische Routine hat außerdem den Vorteil, dass die Hemmschwelle nicht so groß ist. Du musst nicht viele Übungen kennen, und nur ganz wenig Zeit und Energie investieren.
Also: Wenn du eine Stimmübung kennst, die dir gut tut, nur eine, dann kannst du es ausprobieren. Such dir eine kleine Lücke in deinem Tagesablauf. Triff die Entscheidung, dass du in dieser Zeit üben willst. Und fang an!





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