Als ich das erste Mal überlegt habe, ob ich mir 2026 wieder ein Motto geben will, waren diese Worte sofort da: noch mehr ich selber sein. Dann habe ich sie verworfen und zwölfzig andere Ideen aufgeschrieben, bis ich wieder zu meiner ursprünglichen Idee zurückgekommen bin.
Irgendwie beschreibt das schon ganz gut, worum es geht: Meinen Ideen vertrauen. Meinem Prozess vertrauen (zu dem auch die Schleifen und Umwege dazugehören). Und vor allem: Das machen, was für mich richtig ist – und nicht für die Welt drumherum.
Natürlich in verantwortungsvollen Grenzen. Ich bin keine radikale Freiheitsvertreterin, koste es was es wolle. Es geht um Dinge, die mein Ding sind. Und wenn ich da mein Ding mache, dann mag es sein, dass mal jemand verwirrt oder sogar verunsichert ist. Aber schaden tut es niemandem.
Im Gegenteil: ich bin fest überzeugt, dass es uns selbst und den Menschen um uns herum gut tut, wenn wir uns erlauben, wir selbst zu sein.
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Noch mehr ich selber sein heißt…
1. Radikale (Selbst)Akzeptanz
So wie ich bin, bin ich. So wie es mir geht, geht es mir. Das ist weder gut noch schlecht. Weder richtig noch falsch. Es ist einfach so, und ich kann entscheiden, wie ich damit umgehen will.
Wie ich damit nicht mehr umgehen will:
- Selbstvorwürfe
- Scham
- Minderwertigkeitsgefühle
- Selbstzweifel
- „schon wieder schaffe ich es nicht, …“
Stattdessen will ich neugierig hinschauen und hinspüren. Und herausfinden, wie das für mich funktionieren kann.
Wenn ich zum Beispiel mit anderen Menschen zusammen bin und Momente der Unsicherheit erlebe, dann versuche ich offen zu bleiben. Nicht gleich urteilen, ärgern und gegen mich selber angehen, sondern erstmal aushalten und beobachten. Und irgendwo auch sagen: Es ist ok, dass es so ist. Was brauche ich? Wie komme ich da durch?
2. Mutige Entscheidungen treffen
Oh ja! Ich schleiche seit einer Weile um so Ideen rum. Werde aber nicht konkreter und schrecke dann doch zurück. Aber jetzt habe ich das Gefühl: Es ist Zeit für mutige Entscheidungen. Für Risiko, Neuland und Ängsten begegnen.
Eine dieser Ideen ist, Videos zu machen oder einen eigenen Podcast – obwohl ich schonmal einen Podcast mit meiner Kollegin Lena zusammen hatte, ist die Idee ganz alleine einen zu starten ziemlich respekteinflößend.
Ich weiß nicht, ob es das ist, was ich am Ende entscheiden werde. Aber ich öffne mich für Schritte, die ein bisschen respekteinflößend sind. Für größere oder vielleicht radikalere Schritte. Solange sie sich nach mir anfühlen 🙂
3. Meinen Ideen folgen
Meine Ideen sind mein Antrieb. Sie geben mir Energie, das war schon immer so. Wenn ich eine Idee umsetze, kann mich nichts aufhalten. Dann bin ich im Hyperfokus, vergesse die Zeit, vergesse zu essen und zu zweifeln. Und das ist schön. Ich liebe diesen Zustand, er gehört zu mir.
Manchmal wirkt das sprunghaft, weil ich immer wieder was Neues anfange. Oder es führt zu langen, intensiven Tauchgängen, obwohl gerade eigentlich etwas anderes ansteht. Aber es hat mich auch schon gerettet. Meine Masterarbeit zum Beispiel hätte ich nicht fertig gekriegt, wenn ich nicht zwischendurch mit Begeisterung gestrickt hätte. Das hat mir Energie gegeben und mir geholfen, die Nerven zu behalten.
Also… wenn ich mehr ich selbst sein will, dann muss ich meine Ideen ernst nehmen und ihnen folgen. Auch ohne zu wissen, wohin das führt.
4. Energiewellen reiten
Wenn ich meinen Ideen folge, folge ich meiner Energie. Die kann auch etwas sprunghaft sein, und ich glaube, es geht mir besser, wenn ich mit diesen Wellen mitgehe.
- Wenn ich aufgekratzt bin, muss ich laufen (damit meine ich spazierengehen, und zwar schnell).
- Wenn ich müde bin, muss ich schlafen.
- Wenn mich etwas anderes packt als das, was ich eigentlich geplant hatte, muss ich meine Pläne ändern (wenn es irgendwie geht).
Dann bleibt meine Energie im Gleichgewicht.

5. Selbst-Erforschung
In meinem Jahresrückblick 2025 habe ich es schon angesprochen: Ich habe angefangen, mich mit Neurodivergenz zu beschäftigen, und ich habe Fragen. In dieser Hinsicht will ich mich weiter schlau machen und reflektieren.
Besonders interessant finde ich das Thema Masking. So nennt man es, wenn neurodivergente Menschen sich in Verhalten, Selbstpräsentation und Kommunikation an ihre Umgebung anpassen und ihre eigenen, neurodivergenten Merkmale verstecken.
Das hat einen unmittelbaren Bezug zu meinem Motto. Noch mehr ich selber sein heißt, hinterfragen: Wann bin ich voll da, wach, lebendig, ohne „freiwillige Selbstkontrolle“? Und wann bin ich es nicht, weil ich Teile von mir maskiere oder verberge?
Und es gibt noch mehr Themen, die mich in dieser Hinsicht interessieren: generationenübergreifende Traumata gehören dazu und die Generation(en) der Kriegsenkel.
Aber am wichtigsten ist die Haltung. Ich möchte eine innere Haltung einnehmen, die nicht bewertet, sondern neugierig hinschaut, beobachtet und Zusammenhänge herstellt. Die Haltung einer Forscherin 🙂 Einer Selbst-Erforscherin, wenn man so will.
Kleine Veränderungen im Alltag
Ok, und was kann das jetzt ganz konkret für den Alltag heißen?
- Pläne machen ja, aber mit Spielraum und Beweglichkeit
- Routinen ja, aber mit Freiraum. Meine Körper-/Stimmroutine zum Beispiel ist dazu da, dass ich Kontakt mit mir aufnehmen kann. Dafür braucht es Struktur UND Freiheit.
- Mehr Bewegung, auch zwischendurch – nicht erst nach getaner Arbeit.
- Mehr Pausen.
- Aber auch manchmal weiterarbeiten, weil ich gerade im Flow bin.
- Überhaupt: den Flow suchen, das Eintauchen in eine Sache ohne Ablenkung oder Unterbrechungen.
- Bei Bedarf: respektvoll absagen (dazu wird es einen Blogartikel geben!)
- Meiner Lust und Unlust vertrauen und nichts mit einem schlechten Bauchgefühl machen.
- Ideen aussprechen und mich trauen, andere mit meiner Begeisterung anzustecken.
- Die gleiche Akzeptanz und Offenheit auch den Menschen um mich herum entgegenbringen. Nicht urteilen, lieber fragen.
- Alles genießen, was geht 🙂

Das ist der Plan und ich hoffe, dass es mir diesmal gelingt, dranzubleiben und mein Motto nicht komplett wieder zu vergessen.
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Das ist ein schönes Motto! Viel zu oft versuchen wir, anderen zu gefallen und vergessen uns selbst dabei. Spannend, dass du dich mit Neurodivergenz beschäftigen möchtest. Als du vom Hyperfokus gesprochen hast, hab ich mich direkt wiedererkannt. Neurodivergenz ist auch mein Thema und was ich darüber lese, hilft mir, mich selber besser zu verstehen.
Ich wünsche dir noch weitere spannende Entdeckungen auf deiner Reise zu dir selbst!
Liebe Grüße, Marianne
Danke für deine Rückmeldung, liebe Marianne. Es tut gut, zu merken, dass ich damit nicht alleine bin 🙂