Einen Vortrag halten. Ein Interview geben. Einen Podcast einsprechen oder im Gespräch um eine gemeinsame Lösung ringen – das alles braucht Energie!
Wenn du, wie ich, eher introvertiert bist, hast du vermutlich ein starkes Bewusstsein dafür, welche Tätigkeiten für dich besonders energieintensiv sind. Und ich vermute, dass Sprechen da ziemlich weit oben auf der Liste steht 😉
Andererseits erinnerst du dich bestimmt auch an Momente, in denen das Sprechen ganz leicht war, oder? Vielleicht hast du sogar schonmal gemerkt, dass es dir Energie gegeben hat.
Diese Zusammenhänge will ich mir heute mit dir zusammen anschauen. Dabei geht es mir nicht um die Dinge, die wir außerhalb der Kommunikation für unsere Energie tun können (zum Beispiel Schlafen, Me-Time oder kreative Hobbies). Auch die sind wichtig! Aber heute geht es mir um unser Energielevel beim Sprechen selbst.
Wie schaffen wir es, dass wir genug Energie zum Sprechen haben, und dass sie sich nicht so schnell erschöpft? Oder anders gefragt: Was können wir tun, damit es leichter wird?
Gefällt dir, was du liest? Bleib auf dem Laufenden – abonniere meinen Newsletter!
Sei du! Verstellen raubt Energie.
Wenn du schonmal in einer Situation gesprochen hast, in der du nicht wirklich du selbst sein konntest, weißt du vermutlich, wie viel Energie das zieht. Ständig darauf zu achten, was du zeigen darfst und was nicht, ist echt anstrengend.
Für uns Introvertierte gilt das in besonderem Maße. Wir bekommen so oft gespiegelt, dass es besser wäre, extrovertiert zu sein, dass wir anfangen, uns so zu verhalten. Das ist aber viel energieintensiver, wenn es einem nicht entspricht!
Wenn es eine Situation gibt, in der dir das Sprechen mit oder vor anderen besonders anstrengend vorkommt, kannst du dir die folgende Frage stellen:
Fühlt es sich in dieser Situation für mich sicher an, wirklich ich selbst zu sein? Oder sind da Anteile, die ich verstecke, weil ich befürchte, dass die anderen mich dann nicht mehr akzeptieren?
Natürlich gibt es Dinge, die wir nur in ganz vertrauter Gesellschaft zeigen. Oder die vielleicht sogar niemand erfährt. Und das ist ok. Ebenso gibt es Rollen und Situationen, in denen wir uns entscheiden können, mehr oder weniger von uns zu zeigen.
Es lohnt sich, genau hinzuschauen, denn das eigene Auftreten im Auge zu behalten und bewusst zu kontrollieren, verbraucht Energie. Und manchmal erlegen wir uns Begrenzungen auf, die wir gar nicht brauchen.
Zuhören erzeugt Energie
Was passiert, wenn niemand zuhört?
In Gruppentrainings mache ich manchmal die folgende Übung: Zwei Personen unterhalten sich und probieren verschiedene Sachen mit ihrem Blickkontakt aus. Zum Beispiel: A erzählt B von einem Erlebnis. B schaut überallhin, nur nicht zu A.
Die Reaktionen finde ich immer wieder spannend. Die meisten finden das Gefühl schrecklich, wenn ihnen der Blickkontakt zum Gegenüber beim Sprechen fehlt. Sie haben dann das Gefühl, dass B ihnen nicht zuhört.
Hier sind ein paar Formulierungen meiner Workshopteilnehmer*innen:
- „Es fühlte sich an, als würde mir die Energie entzogen…“
- „Ich konnte nicht mehr weiterreden.“
- „Wozu soll ich denn noch reden, wenn mir nicht zugehört wird…“
Daran merkt man, wie sehr unser Sprechen auf ein Gegenüber bezogen ist. Wir sprechen, um gehört zu werden.
Das heißt im Umkehrschluss: Wenn uns jemand voller Interesse zuhört, ist das Sprechen leicht. Aus Kontakt und gegenseitigem Interesse entsteht Energie. Deshalb sind richtig gute Gespräche auch so belebend.
Suche den Kontakt!
Daraus ergibt sich eine Aufgabe für das Sprechen: Suche den Kontakt zu deinen Zuhörer*innen. Schau sie an, meine sie und sprich so, dass sie dir gerne zuhören. Und wenn du kannst: Suche die Menschen und Themen, bei denen du von gegenseitigem Interesse ausgehen kannst.
Sonderfall Podcast: Mein Publikum ist nicht da…
„Äh, ok“, denkst du dir vielleicht, „und wie mache ich das bei einem Podcast? Da weiß ich doch überhaupt nicht, wer das später mal hören wird. Ich sitze alleine vor meinem Mikro.“
Stimmt, das ist eine besondere Situation, besonders wenn du einen Solo-Podcast oder eine Solo-Folge einsprichst. Deine Zuhörer*innen sind nicht da, sie wissen vielleicht noch gar nicht, dass sie dir zuhören werden.
Hier ist deine Vorstellungskraft gefragt. Stell dir am besten eine ganz konkrete Person vor, zum Beispiel aus deinem Freund*innenkreis, mit der du dich wohlfühlst und die sich für dein Thema interessiert. Stell dir vor, sie sitzt dir gegenüber und hört dir aufmerksam zu, und du wirst merken: dein Sprechen wird kraftvoller und lebendiger.
Hier findest du noch mehr Impulse zum Ansprechen deiner Zuhörer*innen am Mikro.
Begeisterung ist Energie
Vielleicht kannst du auch Energie aus deinem Thema ziehen! Nämlich dann, wenn du etwas ausgewählt hast, wofür du dich begeisterst. Meist sind das ja ohnehin die Themen, über die wir lang und breit reden könnten. Sogar sehr stille Menschen werden dann plötzlich lebhaft.
Meine These ist: Wenn sich jemand so richtig für ein Thema begeistert, dann entsteht Energie! Sie treibt dich an, noch tiefer in das Thema einzusteigen, und sie ist auch für andere spürbar. Sie macht Lust auf mehr, auch beim Zuhören!
Schwieriger ist es, wenn du über ein Thema sprechen musst, das dich gar nicht so sehr interessiert. Auch das kann ja im Arbeitskontext vorkommen. Entweder findest du dann den Blickwinkel, aus dem das Thema doch noch spannend wird, oder du konzentrierst dich mehr auf die beiden folgenden Punkte.
Warum sprichst du?
Warum ist das Thema wichtig für dich? Warum ist es wichtig, dass du hier, heute, mit diesen Menschen, darüber sprichst? Was hat dich an diesen Punkt gebracht und was treibt dich an, weiterzugehen?
Im „Antreiben“ steckt es ja schon drin: Die Frage „Warum“ führt dich zu deiner Motivation. Kann sein, dass du an ein paar äußeren „Motivatoren“ vorbeigehen musst, bis du bei deinem eigenen, inneren Antrieb angekommen bist.
Ein Beispiel, wie so ein innerer Warum-Dialog aussehen könnte:
- Warum hältst du diesen Vortrag heute?
Weil ich in einem Vortragsseminar bin und wir jetzt Vorträge zum Üben halten. - Ok, und warum hast du dich zu dem Seminar angemeldet?
Weil ich selbstständig bin und gerne mal einen Vortrag über mein berufliches Thema halten möchte. - Warum möchtest du das?
Weil es so ein wichtiges Thema ist, von dem aber nur wenige wissen. Ich möchte, dass noch mehr Menschen davon erfahren. - Und warum findest du das Thema so wichtig?
Weil es uns ermöglicht…. (Hier versteckt sich dein tieferes Warum!)
Du siehst, worauf ich hinauswill, oder? Frag solange nach deinem Warum, bis es nicht mehr tiefer geht 🙂 Dort findest du einen starken Antrieb, der dir auch im Alltag Energie zum Sprechen geben kann.
Was willst du bewirken oder: Wozu sprichst du?
Warum und Wozu sind eng miteinander verbunden, und vielleicht hast du bei der Frage nach deinem „Warum“ auch schon das „Wozu“ gestreift. Die Frage nach dem „Wozu“ führt zu unseren Zielen. Was willst du mit deinem Sprechen bewirken?
Nachdem die Leute dir zugehört haben, was möchtest du, dass sie tun? Was soll für sie anders sein als vorher? – Denn Sprechen ist Handeln. Es kann die Welt um uns herum verändern.
Auch wenn wir nicht kontrollieren können, wie die Zuhörenden unsere Worte aufnehmen – durch unser Sprechen geben wir Impulse, und die können kraftvoll sein. Also überleg dir genau, was sich durch dein Sprechen in der Welt verändern soll. Auch das kann ein starker Antrieb sein, und damit ein Erzeuger von Energie.
Schlusswort: Die Energie kommt aus der Verbindung!
Das ist mein Ansatz zum Thema „Energie“ beim Sprechen. Was auf den ersten Blick vielleicht etwas esoterisch klingt, ist in meinen Augen sehr bodenständig. Es geht darum, wie wir mit unserem Sprechen in Verbindung kommen, und zwar mit uns selbst und mit unseren Zuhörer*innen.
Aus der Verbindung kommt die Energie. Und mit dieser Energie kann etwas entstehen, das weitergeht, weiterwirkt in die Zukunft. Ein Anstoß zum Umdenken. Eine Idee zum Handeln. Oder schlicht ein schöner, gemeinsamer Moment, der etwas im Fühlen verändert.






0 Kommentare