5 häufige Aussprachefehler und wie du sie beheben kannst

Apr. 16, 2026 | Sprechen, Studio

Als Sprecher*in ist es wichtig, dass du deine Aussprache-Baustellen kennst und dir nach und nach eine sehr gute Aussprache aneignest. Aber auch auf der Bühne und überall, wo du für eine Öffentlichkeit sprichst, kannst du mit einer guten Aussprache punkten. Hier zeige ich dir 5 häufige Aussprachefehler, die mir im Sprechtraining immer wieder begegnen.

Vorab: Wer entscheidet, welche Aussprache richtig ist?

Standardaussprache als Norm, die man nachschlagen kann

Wenn ich in diesem Artikel von Aussprachefehlern spreche, dann meine ich eine Aussprache, die von der deutschen Standardaussprache abweicht – umgangssprachlich auch Hochdeutsch genannt. Die Standardaussprache ist eine überregionale Norm, die vorgibt, wie ein Wort ausgesprochen werden sollte. Sie gilt vor allem dann, wenn etwas überregional verständlich sein soll, also zum Beispiel in Radio und Fernsehen, in Hörbüchern, Werbung etc., aber auch in der Bundespolitik oder auf der Bühne.

Da kommt die Standardaussprache auch her: aus dem Theater. Schauspieler*innen waren schon immer viel unterwegs. Sie hatten überall im deutschsprachigen Raum Engagements, also mussten sie lernen, so zu sprechen, dass sie überall zu verstehen waren. Deshalb war das erste Aussprachewörterbuch die „Deutsche Bühnenaussprache“ von Theodor Siebs (1898).

Die heutigen Aussprachewörterbücher bauen darauf auf, auch wenn sie sich nicht mehr nur an Schauspieler*innen richten. Sprecher*innen arbeiten oft mit dem Duden Aussprachewörterbuch, während in der Sprechwissenschaft und Sprecherziehung auch gerne das Deutsche Aussprachewörterbuch (DAWB) verwendet wird. Beide geben die Aussprache mithilfe des Internationalen Phonetischen Alphabets an. Sie unterscheiden sich aber ein bisschen in der Art der Transkription.

Manchmal sind sie auch unterschiedlicher Meinung, wie etwas ausgesprochen werden sollte. Beim Duden wird das einfach von einem Expert*innengremium entschieden, während in das DAWB auch empirische Untersuchungen einfließen. Das heißt, Forscher*innen schauen sich an, wie im öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland wirklich gesprochen wird, und das fließt dann wieder in die Vorgaben zur Standardaussprache mit ein.

Für wen sprichst du? – Der Kontext spielt auch eine Rolle

Im Leben gibt es ja massig Situationen, in denen wir keine perfekte Standardaussprache sprechen und das ist auch völlig ok. Eine Sprecherin aus Franken etwa kann morgens am Frühstückstisch mit ihrer Familie fränkisch sprechen. Wenn sie dann ins Studio fährt und etwas für den Deutschlandfunk einspricht, stellt sie auf Standardaussprache um – vielleicht schon an der Tür, vielleicht erst, wenn sie wirklich ins Mikro spricht. Und dann fährt sie zum Lokalsender, wo ein leichter fränkischer Einschlag gerne gesehen ist. Sie passt sich an, je nachdem, wo sie gerade ist und für wen sie spricht. Dieses Phänomen nennt man phonostilistische Differenzierung – ein Zungenbrecher in sich 😉

Außerhalb der Sprecher*innenwelt und der Bühnen sind die Anforderungen weniger streng. Es wird Hochdeutsch gesprochen, aber wer genau hinhört, kann in Schule, Uni, Unternehmen und Politik heraushören, wo jemand aufgewachsen ist. Der Grundsatz ist auch hier: je öffentlicher die Situation und je überregionaler die Adressat*innen, desto stärker die Erwartung, dass du die Standardaussprache beherrschst. Aber dann kommt es auch immer darauf an, wie die einzelne Person damit umgeht und ob sie Wert darauf legt, oder ob sie sagt: „Nö, das gehört zu mir. Das darf man ein bisschen hören.“

5 Aussprachefehler, die mir im Sprechtraining immer wieder begegnen

1. Aussprachefehler: Könik

Der Klassiker unter den Ausspracheregeln: Die Endung -ig wird in der Standardaussprache wie -ich ausgesprochen. Also mit einem ch, genau wie in dem Wort „ich“.

  • lustig = lustich
  • wichtig = wichtich
  • wenig = wenich
  • König = Könich

Wenn nach dem -ig noch etwas kommt, ist die Frage: Vokal oder Konsonant? Kommt ein Vokal, wird das g wieder zum g, zum Beispiel in „wenige“ oder „Königin“. Kommt ein Konsonant oder mehrere bleibt es beim ch:

  • wenigstens = wenichstens
  • Fähigkeit = Fähichkeit
  • Königssohn = Könichssohn

Davon gibt es nur eine Ausnahme: Wenn später im Wort noch ein Ich-Laut (ein ch wie in „ich“) kommt, verwandeln wir das g nicht auch noch in ein ch. Denn dann würde es mit dem ch ein bisschen viel werden. „Könichreich“ zum Beispiel würde ziemlich ch-lastig klingen, oder „ewichlich“. Deshalb darf das g an dieser Stelle ausnahmsweise bleiben. Und weil wir ein g am Ende von Worten und Silben wie ein k aussprechen, sagen wir:

  • Königreich = Könikreich
  • ewiglich = ewiklich

Übrigens: Diesen Aussprachefehler beschreibe ich auch in meinem Artikel „7 häufige Anfängerfehler beim Mikrofonsprechen – und wie du sie vermeidest“. Da findest du auch Tipps zu deiner Position am Mikro, Sprechtechnik und inneren Hürden wie der Angst vor Versprechern.

2. Aussprachefehler: Lesunk

Die Buchstabenkombi -ng steht in den allermeisten Fällen für einen einzigen Laut: den dorsal-postpalatal/velaren Nasal. Sorry für das Fremdwort ☺️ Was ich meine, ist: Die Zunge schmiegt sich im hinteren Mundbereich an den Gaumen, die Stimmlippen schwingen und die Luft strömt durch die Nase. Es ist der 3. nasale Laut, den wir neben m und n bilden können.

Oder: Es ist der Laut am Ende von Lesung, Zeitung und Hoffnung. Ohne hörbares g oder k am Ende.

Manchmal kommt er auch mitten Wort vor, zum Beispiel in Schwingung, Ingwer, gängig. Dabei ist das g meistens stumm, es wird nicht mitgesprochen. Einzige Ausnahme: eingedeutschte Wörter und Namen wie z. B. Ungarn oder Tango.

Und am Ende von Wörtern bleibt es auf jeden Fall stumm: Lesung, Gesang, Ginseng, Ding oder Gong.

3. Aussprachefehler: Fesstellen

Bei zusammengesetzten Wörtern wie „feststellen“ passiert es leicht, dass wir den Plosiv t verschlucken. Klar: davor ist ein s, danach ist ein s, da ist es einfach leichter, beim s zu bleiben.

Es ist ein bisschen so, als würde ich hochkonzentriert an diesem Artikel sitzen und dann fällt mir auf: Ich brauche mein Aussprachewörterbuch, um das Wort nochmal nachzuschlagen. Stehe ich dann wirklich auf, gehe rüber ins andere Zimmer, schlage nach und schreibe dann erst weiter? Oder wähle ich den bequemeren Weg, bleibe sitzen, bleibe im Fokus und hole mir das Buch später?

Wenn die Zunge bei Wörtern wie „feststellen“ den bequemen Weg geht, verlieren wir das t und landen bei „fesstellen“. Das ist immer noch verständlich, aber für die Bühne, Studioaufnahmen oder einen wichtigen öffentlichen Auftritt nicht ideal.

Wir dürfen unsere Zunge (und unsere Lippen, die sind da auch dran beteiligt!) daran gewöhnen, ganz leicht und schnell zwischen f, s, sch und t hin- und herzuspringen. Was dabei helfen kann?

  • Als Vorübung: Die Laute f – s – sch in schneller Folge sprechen, on repeat
  • Schwierige Worte wie „feststellen“ erstmal ganz langsam aussprechen. Alle Laute realisieren und beobachten, was Lippen & Zunge dabei tun. Dann nach und nach schneller werden.

4. Aussprachefehler: Gut tun

Bei „gut tun“ treffen zwei gleichartige Konsonanten aufeinander. Dazwischen endet ein Wort und ein neues beginnt. Wer sich um eine deutliche Aussprache bemüht, setzt an dieser Stelle oft ab und spricht zwei klar unterscheidbare t-s. – Ja, man soll ja auch nichts verschlucken, oder? Hab ich doch eben selber gesagt…?

Tatsächlich ist es hier umgekehrt, und zwar weil es zweimal der gleiche Konsonant ist. In solchen Fällen sagt die Standardaussprache: Bitte nicht absetzen, sondern einfach einen kleinen Moment auf dem t verweilen.

Es ist ein bisschen wie im Italienischen, finde ich. Bei dem Wort „attenzione“ würde man im Italienischen einen Moment auf dem t verweilen, um zu zeigen, dass es ein doppeltes t ist. Das gilt im Deutschen auch – sogar, wenn dazwischen ein Wort endet.

Im Wort gilt es übrigens auch, zum Beispiel bei

  • weggehen
  • Weggefährte
  • abbauen
  • Trabbahn
  • Raubbau

5. Aussprachefehler: fümf

Beim Zahlwort „fünf“ haben wir es wieder mit Bequemlichkeit zu tun. Wir neigen nämlich dazu, das n im Wort „fünf“ als m zu sprechen.

Warum? Weil gleich danach ein f kommt. Und das f bilden wir zwischen Unterlippe und oberen Schneidezähnen, während die Zunge einfach entspannt im Mund liegt. Von da ist es ein leichterer und kürzerer Weg zum m (Ober- und Unterlippe aufeinanderlegen) als zum n (Zunge aktivieren und an den Zahndamm, hinter die oberen Schneidezähne bringen). Und wenn wir können, gehen wir gerne den leichteren Weg.

Um diesen Aussprachefehler zu beheben, empfehle ich auch wieder, das Wort „fünf“ erstmal sehr langsam zu sprechen. Gerne auch langgezogen – mit diesem Wort geht das sehr gut. Dann kannst du ganz in Ruhe beobachten, was der Unterschied zwischen „fümf“ und „fünf“ ist, und was deine Zunge tun muss, um vom ü zum n zum f zu kommen. Von da aus kannst du dann nach und nach wieder schneller werden.

Fazit: Richtige Aussprache ist ein Prozess

Wenn du anfängst, an der eigenen Aussprache zu arbeiten, kann das erstmal ganz schön verwirrend sein. Du fokussierst plötzlich auf Details, die bisher einfach unbewusst liefen. Das braucht eine Menge Hirnkapazität. Anfangs ist es oft nicht möglich, einen Text gleichzeitig schön und aussprachemäßig richtig zu sprechen – entweder du achtest auf das eine oder auf das andere. Das ist für den Anfang ok. Mit der Zeit wird die neue Aussprache immer leichter und natürlicher, bis du irgendwann nicht mehr darüber nachdenkst.

Nimm dir am besten nur eine Baustelle zur Zeit vor. Sich die Standardaussprache anzueignen ist ein Prozess. Manchmal fallen einem auch nach Jahren (und Ausbildungen) noch Fehler auf. Mir ist zum Beispiel erst letztes Jahr bewusst geworden, dass es regnen und nicht reknen heißt, mit einem stimmhaften g. Dieses Wort habe ich jahrelang falsch ausgesprochen. Irgendwann fiel mir dann bei Kolleg*innen auf, dass sie es anders aussprechen, und ich habe es nachgeschlagen.

Fakt ist: Wenn du in einem Sprechberuf arbeitest, kann dir eine gute Standardaussprache neue Türen öffnen. Ganz besonders als Sprecher*in und Schauspieler*in. Hier kann es auch Sinn machen, sich Unterstützung und Feedback zu holen. Zum Beispiel in Form eines Sprechtrainings 🙂

Hi, ich bin Paula.

Hi, ich bin Paula.

Als Sprechtrainerin für Bühne, Business & Studio arbeite ich mit Menschen, die richtig gut sprechen wollen. Ich stehe mit Lesungen auf der Bühne und bin Sprecherin für Hörbücher & mehr.

Willst du mehr über mich erfahren?

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